Niemand. Umgangsregeln bilden sich als fortlaufender common sense in einer Gesellschaft. Es gibt drei Quellen:
Umgangsregeln sind immer praktisch und sinnvoll. So geht der Gastgeber beispielsweise voran, weil er den Weg am besten kennt.
Etiketteregeln sind Chiffren gesellschaftlicher Zugehörigkeit. In den vergangenen Jahrhunderten waren Etiketteregeln auch ein Versuch, Klassen- und Standeszugehörigkeit zu demonstrieren. Sie waren Statussymbol.
Umgangsregeln erleichtern unser Miteinander. Wenn ich beispielsweise weiß, dass ich als Gastgeber die Initiative zur Begrüßung habe, wird die Begrüßung meiner Gäste reibungslos funktionieren. Ich gehe den letzten Schritt mit ausgestreckter Hand auf sie zu und begrüße sie. Wenn ich denke, vielleicht hat mein Chef, den ich eingeladen habe das Vorrecht mich zu begrüßen und er denkt das von mir, dann kommt es zum etwas linkischen Sich-Gegenüber-Stehen, Händzucken und in sich hinein gebrummelten Begrüßungsworten.
Die erste und dritte Quelle sprudeln heute kraftvoller, als die zweite. Umgangsformen, die lediglich Abgrenzung und Status demonstrieren, verlieren immer mehr an Bedeutung.